Reisebericht Kopenhagen und Jütland 2019

Annemarie Polak | 05.08.2019

Ich verbrachte eine grossartige Woche in meinem geliebten Norden. Die Reiseleiterin Claudia Kristensen war ein Bijo; sie war nicht nur fröhlich, sondern auch sehr fürsorglich. Die Gruppe war harmonisch und das Wetter grossartig fürs Wandern: blauer Himmel, angenehme Temperaturen und eine Insellandschaft. Norwegen mit seinen Schären und abgewaschenen Bergen hat mich zwar mehr beeindruckt, doch für meine Kondition sind die sanften Hügel der Insel Jütland idealer.

Fast 24h verbrachten wir in Kopenhagen, das ich nur aus meiner Kindheit kannte. Nach dem Schrecken beim Ankommen (wegen zu starkem Wind musste der Flieger kurz vor der Landung durchstarten) wusste ich, dass ich vom Schutzengel begleitet bin und alles geniessen darf.

Kopenhagen, das Venedig des Nordens, hat mich mit seinen Wasserläufen, dem Theater und der gläsernen Bibliothek, die gerade in einer Achse mit der Burg gebaut wurde, sehr beeindruckt. Auf einer Hafenrundfahrt am Samstagabend sahen wir alle wichtigen Gebäude. Neu und alt inklusive der Meerjungfrau, die immer noch in die falsche Richtung schaut. Am Sonntagmorgen haben wir vor dem Frühstück die ruhige Stadt zu Fuss erkundet sowie die Wache beim Königsschloss, das Theater und die neuen Brücken bewundert.

Dann ging es per Fähre nach Jütland, eine eindrückliche Fahrt nach Aarhus und dann weiter an den Fernmøller Strand. Wir wohnten in einem reizenden Strandhotel mit einer ausgezeichneten Küche, die ich sehr genossen habe. Am Abend erlebten wir die Feier zum «St. Johann», der auch mit einem Feuer wie in Estland gefeiert wird. Das war ein spezieller Einstieg in das Land Dänemark, in die langen Tage und in das Brauchtum. Grossartig!

Bei Agri Baunehøj stiegen wir durch zauberhafte rot gefärbte Heidelandschaft auf die höchste Erhebung 137m mit tollem Rundblick. Am Schluss des Abstiegs trafen wir auf Hügelgräber, und später genossen wir in der Nähe eines eindrücklichen Dolmengrabes das Picknick. Anschliessend spazierten wir auf einem Damm zu einer alten Ruine (Kalø Slotsruin). Es war Ebbe und ich konnte viele Möwen bei der Nahrungssuche beobachten. Am Abend assen wir in Ebeltoft, einem reizenden Städtchen, wieder ein grossartiges Fischmenü.

Der nächste Wandertag führte uns auf den Himmelbjerg. Es war ein sehr heisser Tag und ich hatte mich zu warm angezogen. Zuerst verlief der Weg durch einen wilden Troll-Wald mit hohen Farnstauden, bunten Fingerhutplantagen immer begleitet von Kuckucksrufen. Der Aufstieg auf den Himmelbjerg war zum Glück im Schatten, doch teilweise sehr steil. Oben mundete uns das Picknick um so mehr, das wir auch im Schatten genossen. Ich nahm den Abstieg langsam unter die Füsse und gelangte dann an die Schiffshaltestelle, wo ich den besten Pfefferminztee meines Lebens geniessen durfte. Nun kam eine lange Schifffahrt über den verzweigten See mit herrlich natürlichen Ufern, Schwanenfamilien und einer  herrschaftlichen «Goldküste». Besonders reizend war zu beobachten, dass die herrschaftlichen Rasen mit wilden Gänsen bevölkert waren. Ich genoss die sanfte Fahrt in vollen Zügen.

Der Mittwoch brachte zwei Highlights. Wir wanderten in Jernhatten an der Küste zuerst auf einen schönen Aussichtspunkt. Der Aufstieg führte uns durch einen Märchenwald mit ganz uralten speziell geformten  Buchen. Da hätte ich den ganzen Tag mit Umarmen der Bäume verbringen können. Man sah von diesem Wald aus ins Innere des Landes mit traumhaften Mohnfeldern. Andererseits sahen wir von der Krete aufs weite Meer mit einem Wal, der leider ein Stein war. Anschliessend wanderten wir an der Küste in einer mystischen Atmosphäre mit kreischenden Möwen, toten Baumstämmen und viel Sand und Steinen. Auf dem Weg zum Bus konnten wir einen Kibitz beobachten, der in einem Feld wahrscheinlich sein Gelege bewachte. Traumhaft schön, seit Jahren habe ich keinen solchen Vogel in der Schweiz gesehen.

Das Mittagessen nahmen wir auf einer Lamafarm ein - wunderbare Gulaschsuppe mit tollem Streuselkuchen. Claudia wurde von ihrem Lieblingslama freudig begrüsst. Es war dort sehr friedlich und Beate ist bewundernswürdig, wie sie einen Neuanfang mit 50 Jahren wagte. Für den Winter kaufte ich dort eine wärmende Mütze.

Wir näherten uns am nächsten Tag Århus auf einer interessanten Küstenwanderung mit vielen kreischenden Kindern, die Sandburgen bauten oder mit den kalten Wellen spielten. Am Schluss erkundete ich mit Urs die ewige Brücke - ein tolles Erlebnis. In Århus assen wir in einem Hafenrestaurant ein traumhaftes Fischgericht, das optisch und kulinarisch völlig überzeugte. Nach dem Besuch im DOK 1, eine beeindruckende Begegnungsstätte mit ungezählten Büchern für Jung und Alt und einer Glocke, die jedes in Århus geborene Kinde ankündet, verbrachten wir den Nachmittag hauptsächlich mit «Gängele» und oben auf dem Dach eines Warenhauses mit Blick auf den «Regenbogen» von Århus. Die Terrasse beherbergte ungezählte kleine Bistros mit vielen Leckerein. Dort assen wir Smörrebröd zum Nachtmahl.

Die letzte Wanderung führte uns auf der schmalen Halbinsel Helgenaes zuerst auf die höchste Erhebung, den Ellemandsberg, und dann weiter auf einer blumenreichen Küstenwanderung zum Leuchtturm Sletterhage Fyr, den wir als ersten Gruss aus Jütland schon von der Fähre aus sehen konnten. Diese Küstenwanderung hat mir am besten gefallen, da man immer einen weiten Ausblick übers Meer und die vorgelagerten Inseln hatte. Beim Leuchtturm erfreute uns eine spezielle Blumenwiese mit vielen Schmetterlingen. Das Abendessen im Hotel war kulinarisch wieder hochstehend und gesellschaftlich ein gediegener Abschluss der Traumwanderferien.


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