Kirgistan - Berauschend stille Natur zwischen Himmel und Erde

Sabine Schneitter | 29.11.2019

Das wenig bekannte Natur-Juwel Kirgistan zwischen den riesigen Steppen Kasachstans und dem
Westen Chinas fasziniert und berührt.

90 % des Berglandes liegt über 1500 m, die durchschnittliche Höhe ist 2750 m! Kristallklare, türkisblaue Seen, weite grüne Hochtäler, mit ewigem Schnee bedeckte Gipfel des legendären Himmelsgebirges sowie
eine reiche Flora und Fauna ermöglichen uns, ein paar Gänge runter zu schalten und «Natur pur» zu geniessen. Auf unseren Wanderungen lernen wir die Lebensweisen der Nomaden, ihre weissen Jurten, die kulturelle Vielfalt und die herzliche Gastfreundschaft der Kirgisen kennen.

 

KIRGIS?
Es gibt vielfältige Theorien, welche die Herkunft des Namens erklären. Die Kirgisen sind überzeugt, dass ihr Name von «kirkkyz», vierzig abstammt, dass sie Nachkommen eines Verbandes von 40 Stämmen sind. Die Zahl 40 spielt auch im Leben der Kirgisen eine immer präsente, symbolische Rolle. Zum Beispiel zeigt die National-Flagge eine goldene Sonne mit 40 Strahlen, die ersten 40 Tage im Leben eines Neugeborenen sind die Wichtigsten etc.

 

STAN?
1823 schrieb Heinrich Seel: «Die Endung stan ist persisch und bedeutet Land. Daher die neueren Namen der Länder von Ober-Asien, wo persische Sprache herrscht, sich fast alle auf stan endigen...». Das Suffix
-stan stammt tatsächlich aus dem Persischen und bedeutet «Ort von», «Land, Heimat von» und auch «Ort der Zeit». Kirgistan ist also das Land der Kirgisen.


KIRGISEN - GASTFREUNDLICHE HALBNOMADEN
Die Sowjets versuchten, den Kirgisen einen sesshaften Lebensstil zu verpassen. Heute, knapp 30 Jahre nach der Unabhängigkeit, lebt wieder eine Mehrheit der Kirgisen als Halbnomaden von der Viehwirtschaft:
vor allem Schafe, Pferde und Yaks. Im Sommer leben und lieben sie ihren Jailoo, ihr Nomadenlager auf den weiten abgeschiedenen Hochebenen. Begegnungen mit den gastfreundlichen Nomaden, die uns immer wieder in ihre traditionelle Filzjurte zu einem Tee oder einem Glas Kumis (vergorene Stutenmilch) einladen,
werden unvergesslich bleiben.

 

GEBIRGSLAND KIRGISTAN - WILDE SCHÖNHEIT
Kirgistan ist vor allem ein intensives Rendezvous mit der Natur! So weit das Auge reicht, faszinieren Schneegipfel, wunderschöne Bergketten, bizarre Canyons, dazwischen breite, fruchtbare Täler und der zweitgrösste, tiefblaue Gebirgssee der Welt. Weitere Farbtupfer wie Berberitze, Eberesche, Sanddorn, Heckenrose oder andere Schönheiten aus dem ungefähr 4500 Arten umfassenden Pflanzenspektrum
machen Wanderungen zweifelsfrei zu einem unvergesslichen Naturerlebnis. Der bergige idyllische Charakter der ehemaligen Sowjetrepublik erinnert ein bisschen an die Schweiz – aber es ist doch ganz anders! Das Land ist knapp fünfmal so gross wie die Schweiz – mit nur 6 Millionen Einwohnern.

 

TÜRKISBLAUE BERGSEEN - ENDLOSER STERNEHIMMEL
«Ein Stück Himmel, das auf die Erde gefallen ist», so beschreibt
Dschingis Aitmatow in einem seiner Bücher den tiefblauen Issyk-Kul See. Treffend auch der Name des auf 3016 m gelegenen Song-Kul Sees: «der letzte See». Gemeint ist der letzte See, bevor man in die Wolken steigen kann. Hier in der weiten Hochebene, umgeben von Bergen, Schafen, Pferden und einem unendlichen Sternenhimmel, in einer Jurte die müden Wanderbeine baumeln zu lassen und zu träumen, ist ein prägendes Erlebnis. Für Mutige nur zu toppen mit einem kurzen «Schwumm» im See, der aber auch im Sommer nur um die 12 Grad bieten kann.

 

HAUPTSTADT BISHKEK - SOWJETISCH MIT EINER PRISE ORIENT
Entstanden aus einer Karawanenstation der Seidenstrasse überrascht die übersichtliche Hauptstadt mit ihren grosszügigen Grünflächen. Frunze, bis 1991 der Name der heutigen Millionenstadt – ist geprägt von sowjetischer Architektur. Im Kontrast dazu der quirlige farbenfrohe Osh-Bazar, der ein Eintauchen ins Erbe der Seidenstrasse und in den unverfälschten Alltag der Kirgisen erlaubt.

 

MEINE TIPPS
1. AKTIV: Beim genussvollen Wandern in wunderbarer Stille, von
Jurte zu Jurte, durch ein blumenreiches Tal namens «wie ein Teppich» oder über einen Pass der «alleiniger Tannenbaum» heisst, sind wir definitiv Gast in einer anderen Welt.


2. WISSEN: Die Jurte, das runde Filzzelt auf einem Holzgerüst ist das traditionelle Heim der Nomaden. Praktisch und funktionell für ihre Lebensweise. Im Zentrum der Feuerplatz, rechts das Territorium der Frau und links dasjenige der Männer.


3. GENUSS: Beschbarmak (fünf Finger) – ist ein traditionelles Nudelgericht mit Fleisch. Mit etwas Glück lädt uns eine lokale Familie dazu ein. Typische Getränke sind schwarzer und grüner Tee, vergorene Stutenmilch und auch Vodka.


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