Jeder Wandertag ist eine neue Reise

Matthias Schellhorn | 13.12.2016

Neuseelands wilde Inselwelt. Für viele ist es das «schönste Ende der Welt» – die rauchenden Vulkanschlote und farbenprächtigen Thermalgebiete, die ungezähmten Flüsse und gletschergrünen Seen, die tiefen Urwaldfjorde und einsamen Strände.

Für mich ist es einfach «Landschaft, die träumen lässt». Dabei liebe ich besonders die unendlich abwechslungsreiche Meeresküste: Einmal tosend gegen steile Klippen; einmal funkelnd in sanften Buchten. Tief durchatmen, eintauchen – Neuseeland. Vom Bootssteg aus winken wir Gary, unserem freundlichen Kapitän, noch ein letztes Mal zu. Dann tuckert die Toroa wieder in das smaragdgrüne Wasser des Pelorus Sound hinaus. Das schmucke Holzschiff ist uns in den letzten Tagen zur treuen Gefährtin geworden, besonders dann, wenn sie in einer entlegenen Bucht unsere Wandergruppe erwartet.

So auch gestern nach der «Skyline-Tour», als wir das makellos weiss-getünchte Schiffchen bereits vom hohen Hügelgrat aus erkennen. Hier oben geniesst man eine atemberaubende Aussicht über ein wahres Labyrinth von Meeresarmen; gegen Süden der Queen Charlotte Sound mit dem Hafenörtchen Picton; in der Ferne die schneebedeckten Ausläufer der Südalpen. Auf der Nordseite funkelt unser stilvolles Hotel am Ufer des Kenepuru Sound. Ringsum grüne Hügelketten und malerische Buchten – so fern das Auge blicken mag.

Als ein System «untergetauchter Täler», entstanden die Marlborough Sounds durch die geologische Absenkung eines Mittelgebirges. Am Ende der letzten Eiszeit überflutete schliesslich das ansteigende Meereswasser die Talböden und formte eine fast 1500 km lange Riasküste. Von dem ursprünglichen Gebirge zeugen noch langgezogene Bergkämme, die heute als schmale Halbinseln zwischen den Meeresarmen vorspringen und oft schöne Wanderrouten bieten.

Am «Lookout» zwischen den Sunden geniessen wir einen langen Picknick-Halt. Mit der traumhaften Aussicht wandern auch die Gedanken. Über 30 Jahre sind vergangen, seit ich «mein» Neuseeland erstmals entdeckte. Was bewegte mich dazu diese ferne Inselwelt als zweite Heimat zu wählen, meine Kinder hier aufwachsen zu sehen? Als jungen Weltenwanderer hatten mich vor allem die unkomplizierten, freundlichen Menschen damals beeindruckt.

An unserem schönen Rastpunkt wird mir zudem bewusst, wie stark die abwechslungsreiche Naturwelt dieser entlegenen Inseln mich schon damals in ihren Bann zog. Neuseeland – das erschien mir wie eine klangvolle Symphonie der Natur – ein fortwährender Landschaftszauber, der mich bis heute stets aufs Neue fasziniert. Man hört häufig den Kommentar, dass man auf diesen Inseln viele Highlights anderer Erdregionen antrifft– und das auf relativ kleiner Fläche. Abwechslung ist somit ständig angesagt.

So auch für unser Rucksackgrüppli, das freudig dem Kapitän nachwinkt – begeistert noch von den beschaulichen Bootfahrten der letzten Wandertage, dem interessanten Zwischenstopp an einer Muschelfarm und nicht zuletzt dem leckeren Teegebäck, das Gary’s Frau für uns gebacken hatte. Nach wenigen Schritten erreichen wir dann den Küstenpfad, tauchen bald ein in eine neue, immergrüne Wunderwelt. Mit seinen Baumfarnen, Nikaupalmen und Lianen mutet dieser Urwald fast tropisch an. Aber das ist eine andere Story.


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