Abenteuer Algarve – auf der Suche nach etwas Sonne

Sarah Leuenberger | 15.12.2016

Eine windige Reise nach Portugal steht auf dem Programm. Genauer gesagt in die Algarven.

Tatort: Lagos und Sagres!

Ostern à la portuguesa. Anstatt Eier tütschen und tonnenweise Schoggihasen verschlingen, verbrachte ich die letzten Ostertage gemeinsam mit meinem Freund im Norden Portugals bei seiner Familie. Um diese Jahreszeit ist es in dieser Region immer noch sehr kalt, vor allem auch in den Häusern. Ein Heizsystem wie bei uns gibt es in den meisten Haushalten leider nicht. Das Cheminée wird also angefeuert und alle Familienmitglieder versammeln sich gemütlich um das brennende Feuer. Stundenlang können die Portugiesen über Fussball, Politik und die Wirtschaftskrise diskutieren. Trotz warmen Stunden am Cheminée schlug uns die Kälte in Porto etwas auf‘s Gemüt, sodass wir uns kurzerhand für einen Spontantrip in die Algarven entschieden! Da wo’s immer warm sein soll - im sonnenverwöhnten Süden von Portugal!

Nach einer fast 8-stündigen Reise mit vielen Autobahnen und etlichen Sandwichs im Magen, erreichten wir am späteren Nachmittag Lagos, eine wunderbare Hafenstadt an der Algarvenküste. Wir bezogen unser Zimmer in einem einfachen Hotel gleich in der Altstadt. Der Hunger plagte uns abends erneut. Die Suche nach einem Restaurant blieb uns erspart, denn in Lagos reiht sich ein Lokal neben das andere. Lagos ist bestens auf den Ansturm von Touristen vorbereitet. Vor allem in den Sommermonaten, wenn die Algarven Hochsaison feiern und viele Portugiesen ihre Sommerferien hier verbringen. Zur Krönung des anstrengenden Tages gönnte ich mir ein „Bife de atum“, ein zartes Thunfisch Steak mit einem guten Schluck Wein aus der Region.
Am nächsten Morgen wurde ich von einem warmen Sonnenschein auf meinem Gesicht geweckt. Wir haben wohl vergessen, die Vorhänge zu ziehen…aber wenn die Sonne scheint, stehe ich sowieso gerne auf! Nach dem „pequeno almoço“ im Hotel mit Ei, Brot und Müesli, verspüre ich den Drang, mich zu bewegen. Natürlich waren wir beide sehr gespannt, wie sich die Wärme hier so anfühlt. Und da die Portugiesen ja so stolz und voller Lob für ihre Strände in den Algarven sind, wollte ich natürlich einen Strand sehen! Mit der „Praia do Camilo“ fanden wir eine wunderschöne, kleine Badebucht. Die Sonne drückte zwar noch nicht wirklich durch, trotzdem zeigte das Thermometer etwa um die 18 Grad an. Als alte Wasserratte hinderten mich nichts und niemand an einem erfrischenden Schwumm im zugegebenermassen doch eher kalten Atlantik.

Sagres – oder der letzte Stop vor Amerika
Es kann gut sein, dass dem einen oder anderen der Name Sagres auch schon mal als Etikette auf einem Bier begegnet ist. Sagres ist nämlich nicht nur der südwestlichste Zipfel Europas und ein absolutes Muss bei jeder Algarvenreise– Sagres ist auch das meistexportierte portugiesische Bier. Die Geschichte des Ortes Sagres wurde von seiner geographischen Lage und der atemberaubenden Landschaft der Landzungen von Sagres und des Cabo São Vicente (Kap Sankt Vinzenz) bestimmt. Die Atmosphäre am „Ende des Landes“ ist sehr speziell, vor allem wenn man vor den 60m hohen Klippen steht, welche steil ins Meer fallen. Auch Heinrich der Seefahrer fand in Sagres Inspiration und begab sich auf Entdeckungsreise der afrikanischen Küste. Unter seiner Führung wurde die Gegend zu einem Zentrum der Seefahrt. Er bildete in Sagres Kapitäne, Wissenschaftler und Nautiker aus, die für ihn Routen ausarbeiteten, Karten zeichneten und Schiffe bauten. Die riesige Fortaleza de Sagres (Festung von Sagres) ist daher ein Nationaldenkmal von überragender Bedeutung. Natürlich wollten wir uns diese Sehenswürdigkeit nicht entgehen lassen und kauften zwei Tickets. Das ganze Fort erstreckt sich über eine kilometerlange Kilppe. Über dem Eingangtor hängt ein Wappen von Heinrich dem Seefahrer. Sobald man den Eingang übertreten hat, kann die Zeitreise ins 15. Jahrhundert losgehen. Zuerst fiel uns die Kapelle Nossa Senhora da Graca auf. Auf dem Weg dorthin kommen wir aber noch am Gedenkstein zu Ehren von Heinrich dem Seefahrer vorbei. Er wurde an seinem 500. Todestag im Jahre 1960 errichtet. Über die berühmte Windrose (Rosa dos Ventos) wird auch heute noch heftig diskutiert. Handelt es sich tatsächlich um eine Windrose oder war es doch eher eine Sonnenuhr? Einig ist man sich darin, dass die „Windrose“ aus der Zeit von Heinrich dem Seefahrer stammt. Wir laufen einmal um das Plateau herum, kämpfen Schritt für Schritt gegen den starken Wind an und begegnen dabei so manchem Fischer. Völlig furchtlos stehen sie kurz vor dem Abgrund und werfen ihre Angel tief ins blaue Wasser. Obwohl mein Freund (ein begeisterter Fischer) noch stundenlange zuschauen wollte, hielten meine Nerven das Szenario nicht mehr aus.

Auf der Westseite des Plateaus hat man einen sehr schönen Blick auf das Cabo de São Vicente, wo sich der Leuchtturm (Farol) befindet. Dessen Lichtkegel sollen knapp 60 Kilometer über den Atlantik reichen. Er gilt somit als der lichtstärktste Leuchtturm in ganz Europa und überwachte eine der meistbefahrenen Schifffahrtswege der Welt.


Sagres bietet ein ausgezeichnetes Gesamtpacket und zieht darum ein breites Spektrum an Touristen an. Familien finden an den Stränden Mareta oder Martinhal ihr Paradies. Begeisterte Surfer suchen vermehrt die Praia Tonel auf. Alljährlich findet in Sagres auch das Super bock Surffestival statt. Die Surfer bringen dann Leben und Stimmung in den sonst eher ruhigen Fischerort. Wandervögel geniessen die schönen Klippenwanderungen und wer lieber den Sand unter den Füssen spürt, kann eine Barfusswanderung an den vielen Stränden rund um Sagres in Angriff nehmen.


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