Inspiration für Körper, Geist und Seele – Cornwall

Rita Stöckli | 13.12.2016

Die schmale Halbinsel im abgelegenen Südwestzipfel Grossbritanniens ist von Wind und Wetter geprägt, vom Duft des Meeres gewürzt und von Sonnenlicht durchflutet. Die Aussicht vom Küstenpfad ist überwältigend und das Unterwegs sein in der bezaubernden Landschaft beruhigend. Nach der ersten Wanderung ist der Körper mit der Seele im Einklang. Versprochen.

Blick Richtung Lands End.

«Die Freiheit zu schreiben, zu schlendern und zu wandern, die Freiheit, auf Klippen zu klettern, Boot zu fahren und allein zu sein…»

Vor bald hundert Jahren schrieb Daphne du Maurier in einem Brief an ihre Tante, warum sie das Leben in dem abgelegenen, ländlichen Südwesten Englands ihrem wohlbehüteten Dasein in London vorzog. Nebst der Unabhängigkeit lieferte Cornwall ihr den Stoff für ihre Bücher. Dort schrieb sie ihre berühmten Romane wie Rebecca und Jamaica Inn, die später von Alfred Hitchcock erfolgreich verfi lmt wurden. Rund hundert Jahre früher war William Turner einer der ersten Maler, der sich durch das einzigartige Licht an Cornwalls Küsten inspirieren liess. Mit seinen dramatischen Naturszenen und den in Licht und Farbe sich aufl ösenden Formen schuf er sich den Ruf als Vorläufer des Impressionismus. Die bedeutende britische Bildhauerin Barbara Hepworth verbrachte die Hälfte ihres Lebens in St. Ives, um dort ihre viel beachteten Werke zu schaffen. Immer wieder im Laufe der Zeit haben Menschen in dieser faszinierenden Umgebung ihre Spuren hinterlassen. Rätselhafte Dolmen, Menhire und geheimnisvolle Steinkreise haben Jahrtausende überdauert. Geschichten um den sagenumwobenen König Artus, der in der Burg von Tintagel gelebt und seinem Volk Wohlstand und Ruhm beschert haben soll, sind bis in die heutige Zeit ein lebendiger Mythos geblieben. Efeuumrankte Maschinenhäuser erinnern an Zinner, die mit Mut und Erfi ndungsgeist immer weiter unter die cornische Erdoberfl äche vorgestossen sind, um das auf dem Welthandel begehrte Kupfer und Zinn abzubauen.

The Minack Cliff Theatre - einzigartig und unbeschreiblich

Meine Lieblingsgeschichte jedoch handelt von Rowena Cade. Ihr Leben hat sie dem Theater verschrieben. Nicht als begnadete Schauspielerin, sondern als umsichtige Architektin und geschickte Erbauerin eines einzigartigen Freilichttheaters. Bereits als junge Frau hat sie die natürliche Kulisse des Küstenabhangs bei ihrem Haus nutzbar gemacht für die Inszenierung von Shakespeares Sommernachtstraum. Der grosse Erfolg der ersten Aufführungen ermunterte sie, Steine umzulagern, Zementsitze anzukleben und eine Bühne zu schaffen. Sie machte Minack zu ihrem Lebenswerk und investierte bis zu ihrem Tod kurz vor dem neunzigsten Geburtstag all ihre Zeit, ihre Ideen und ihr Geld in die Verwirklichung des bezaubernden Theaters. Rowena Cade war inspiriert von der magischen Landschaft ihrer Heimat. Sie hat ihre Vision umgesetzt und sich durch nichts beirren lassen. Nach den Jahren des Krieges hat sie dort weitergemacht, wo sie vorher aufgehört hatte, und so ist im Laufe der Zeit ein eindrückliches und berührendes Bauwerk entstanden, das heute Menschen von nah und fern begeistert.


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